KI wird in vielen Unternehmen inzwischen ganz selbstverständlich genutzt. Und ist für viele (uns eingeschlossen) eine unverzichtbare Assistenz geworden. Klar, dass viele Menschen sie auch so ansprechen, also so, als säße da ein hilfreicher Kollege im Rechner. „Bitte“ und „Danke“ sind üblich, und User schreiben auch Dinge wie „Entschuldigung“, „Guten Morgen“ oder gar „wenn du Zeit hast“, „das war super hilfreich“ und „Schönen Tag noch!“
Warum ist das für Unternehmer und Führungskräfte relevant, und was sind technische, wirtschaftlichen und kulturelle Implikationen?
Wir beleuchten das heute gleich aus zwei Perspektiven: Der technologischen und der psychologischen.
Jedes Wort kostet Geld
Erst einmal geht es um nackte Zahlen: Jedes einzelne Wort, das in ein KI-System eingegeben wird, muss in Rechenzentren verarbeitet werden – auf hochpreisiger, energieintensiver Hardware. Auch ein höfliches „Danke“ ist für die Maschine kein Zeichen von Wertschätzung, sondern schlicht ein weiterer Datenpunkt. In der Summe entstehen dadurch messbare Kosten, bis hin zu zweistelligen Millionensummen pro Jahr bei großen Plattformen.
Für Unternehmen heißt das: Sprache forderte den Einsatz von Ressourcen. Jedes Wort kostet Geld.
KI ist aber kein Mensch
Menschen neugen zum Anthropomorphisieren. Das bedeutet: Sie schreiben Tieren, Autos, ihrem Handy und inzwischen auch ChatGPT und Co. automatisch menschliche Eigenschaften zu. Gerade die KI klingt ja häufig auch wirklich menschlich. Sie schreibt Mitgefühl, entschuldigt sich, scheint sich freuen, wenn wir sie brauchen und lobt für gute Ideen. Dabei ist die KI lediglich eine Maschine. Hoch komplex, aber eben eine Maschine. KI-Systeme haben kein Bewusstsein, keine Gefühle und kein Verständnis für Anerkennung oder Respekt. Ein „Danke“ ist erst einmal eine Information. Es unterscheidet sich für sie nicht von einem Wort wie „Auto“ oder „Brille“.
Problematisch wird, wenn Mitarbeiter oder gar ganze Teams beginnen, die KI wie einen Kollegen zu behandeln und auch so empfinden. Es mag ja lustig klingen, wenn man in der Früh nicht nur der Kollegin im Nebenbüro einen guten Morgen wünscht, sondern auch den Rechner hochfährt und ChatGPT Guten Morgen sagt. Dabei gehen schnell mal ein paar Ressourcen flöten. Und es können nach und nach unrealistische Erwartungen entstehen: Einerseits der KI gegenüber, die einen ja immer freundlich behandelt. Gerade Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl können davon eine emotionale Abhängigkeit entwickeln. Oder von anderen erwarten, dass sie sie genauso freundlich behandeln – selbst, wenn sie gerade bei der Arbeit einen massiven Bock geschossen haben. ChatGPT verwendet keine klaren Worte der Kritik. Das passiert aber in einem Arbeitsfeld immer wieder, und es ist manchmal auch nötig.
Dazu kommt: KI ist kein sozialer Akteur, sondern ein Werkzeug – vergleichbar mit einer Kalender-App. Sie scheint manchmal echt, aber sie ist es nicht. Sie ist einfach eine technologische Anwendung. Und niemand bedankt sich bei seinem Smartphone für eine Terminerinnerung.
Effizienz statt Höflichkeit
Für den produktiven Einsatz im Unternehmen leiten wir klare Prinzipien ab:
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- KI ist ein Werkzeug, kein Gesprächspartner
Je klarer, präziser und knapper Anfragen formuliert sind, desto besser die Ergebnisse – und desto geringer der unproduktive Ressourcenverbrauch. - Kulturell sauber trennen
Dankbarkeit, Empathie und Wertschätzung gehören in die menschliche Zusammenarbeit. In der Mensch–Maschine-Interaktion geht es um Effizienz und Präzision. Schnell, brauchbar, fertig. - Bewusstsein schaffen
Mitarbeiter müssen verstehen, was KI leisten kann – und was nicht. Und was sie ist. - Den Menschen nicht vergessen
Gerade in Unternehmen mit hohem KI-Einsatz geraten die echten Menschen manchmal aus dem Blick. Dabei brauchen die genau jene Kommunikation, die manche Mitarbeiter inzwischen der KI angedeihen lassen: Ein freundliches Danke bei Unterstützung, ein ernst gemeintes Guten Morgen! Und präzises und wertschätzendes Feedback, immer wieder.
- KI ist ein Werkzeug, kein Gesprächspartner
Unsere Empfehlungen für Führungskräfte
Für die Umsetzung im Unternehmensalltag heißt das konkret:
- Prompteffizienz trainieren: Klare, zielgerichtete Anfragen ohne Füllwörter oder Floskeln.
- Return on Investment messen: Vorab definieren, welchen Nutzen KI bringen soll – und regelmäßig prüfen, ob er auch erreicht wird.
- Klein starten: Mit Pilotprojekten und überschaubaren Use Cases beginnen, dann schrittweise skalieren.
- Bei Bedarf externe Expertise nutzen: Gerade bei komplexeren Implementierungen.
- Kommunikation zwischen Menschen trainieren: Gerade, wenn viel mit Maschinen kommuniziert wird, gewöhnen sich Mitarbeiter schnell an das kritikfreie und immer freundliche und verständnisvolle maschinelle Gegenüber. Dass es mit echten Menschen nicht so einfach ist, dass es da menschelt, um wirkliche Bedürfnisse und manchmal auch Gefühle geht, muss auf dem Schirm bleiben. Je mehr in Technologie investiert und an sie abgegeben wird, umso gründlicher sollte auch die Unternehmenskultur in den Blick genommen werden. Stärkt man das eine und vernachlässigt man das andere, entstehen Probleme. Und zwar in beide Richtungen.
Die Quintessenz und der Unternehmensvorteil
Die Quintessenz ist einfach, aber wichtig: KI braucht kein „Danke“. Menschen hingegen schon. Unternehmen, die diesen Unterschied bewusst leben, gewinnen doppelt – durch effiziente Nutzung technologischer Werkzeuge, verbesserte und effizientere Prozesse und durch gute Beziehungen im Team. Die kennzeichnen sich in besonders effektiven und leistungsorientierten Teams durch Sicherheit, Vertrauen und eine gemeinsame Vision. Und das braucht Kommunikation.
Die KI braucht sie nicht. Ihr reicht ein guter Prompt.
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Transcript
Anke: KI fürs Business, das Wesentliche in 10 Minuten mit Andreas Schrade und Anke Precht.
Anke: Heute sprechen wir über das Thema, warum man der KI nicht Danke sagen braucht. Klingt trivial, hat aber spannende technische, wirtschaftliche und auch psychologische Seiten. Ich würde gerne mit einer Schlagzeile anfangen. Sam Altman, der CEO von OpenAI, hat auf X gesagt, dass Danke und Bitte sagen, zweistellige Millionensummen kostet. Stimmt das?
Andreas: Ja, das ist tatsächlich so. Also jedes Wort, was man als Nutzer von ChatGPT oder anderen KI -Lösungen eingibt, muss letztendlich in einem Rechenzentrum auf teure und sehr energieintensive Hardware verarbeitet werden, auch wenn es am Ende nur ein Danke ist.
Anke: Spannend. Psychologin findet es ja wichtig zu sagen, wenn wir Danke sagen, dann geht es weniger um Effizienz, sondern um Beziehung. Respekt, Anerkennung, Vertrauen, ohne dieses Wort sind viele Interaktionen mechanisch. Darum haben viele Menschen ja verankert, dass sie in der Kommunikation Danke sagen, auch wenn sie mit der KI kommunizieren.
Andreas: Darin liegt letztendlich der wesentliche Unterschied.
Also KI -Systeme, die haben kein Bewusstsein. Das heißt, sie wissen nicht, dass sie existieren, sie fühlen auch nichts. Und ein Wort wie Danke ist für sie lediglich ein Datenpunkt, so neutral wie jedes andere Wort auch.
Anke: Das heißt, Danke ist einfach ein Input wie Brille oder Auto?
Andreas: Nichts anderes. Für die KI macht es keinen Unterschied, in der Tat.
Anke: Spannend. Das heißt, wir anthropomorphisieren die KI. Also wir behandeln die Maschine, als wäre sie ein Mensch und schreiben ihr menschliche Eigenschaften zu. Das ist ja an sich kein neues Phänomen. Wir wissen das von Kindern, die machen das mit ihren Kuscheltieren, die unterhalten sich mit ihren Spielzeugautos und es gibt Filme, in denen Autos und Tiere reden und fühlen wie Menschen. Aber da wissen wir Erwachsenen, es ist Fantasie. Das ist bei der KI nicht ganz so klar für manche, gell? Ich habe kürzlich erlebt, wie eine Bekannte ganz liebevoll von ihrem fantastischen Assistenten namens Chatty gesprochen hat. Und ich habe echt einen Moment gebraucht, bis ich geschnallt habe, dass sie damit ChatGPT meint. Ist das ein Problem?
Andreas: Ich glaube, es ist ein Problem, wenn ganze Teams damit anfangen, KI -Systeme wie Menschen, wie Kollegen zu behandeln. Ich denke sogar, dass es im Endeffekt auch die Effizienz, die Effizienz senken kann und vielleicht auch zu Missverständnissen führen kann.
Anke: Warum das?
Andreas: Schau, KI ist am Ende nur Software. Es ist ein Stück Software wie die Kalender -App auf deinem Smartphone. Bedankst du dich bei deinem Smartphone, wenn es dich an einen Termin erinnert? Ich glaube nicht. Das heißt, jegliche Form, die wir an Fürsorge in eine KI stecken, ist genauso unnötig. Deshalb nutzt die KI, fordere die KI, hole das Maximum heraus und behandle die KI eben gerade nicht wie einen Menschen.
Anke: Das heißt, mit der KI lumpig umgehen und mit den Menschen ringsherum, dafür umso besser, oder? Weil die vergessen wir ja manchmal ein bisschen mit unserer Fürsorge und mit der Wertschätzung und auch mit der Dankbarkeit. Ganz spannend, wir haben ja in der Psychologie viele Studien, die zeigen, dass Menschen, die Dankbarkeit ausdrücken, selber glücklicher sind, dass die entspannter sind, dass die eine bessere Haltung haben, dass sie besser ankommen. Das heißt, Danke tippen ist an sich nicht falsch, aber vielleicht nicht der KI, sondern der Kollegin am anderen Schreibtisch.
Andreas: Genau, genau. Also das ist der Unterschied, den man auch kennen sollte. Menschliche Kommunikation ist definitiv wichtig in Teams, keine Frage. Bei Maschinen hingegen geht es aber vor allem um Effizienz und Präzision. Okay, Perspektivwechsel. Was bedeutet das jetzt für Unternehmer und für Führungskräfte?
Andreas: Also ich sehe darin drei wichtige Lehren. Die erste ist, am Ende zählt die Effizienz. KI ist nur ein Werkzeug und kein Gesprächspartner und vor allem auch kein Mensch. Das heißt, wer sie konsequent im Unternehmen einsetzt, sollte Anfragen, also diese Prompts, klar und knapp formulieren und bekommt im Gegenzug dafür auch klare Antworten. Der zweite Punkt ist, man muss in der Kultur unterscheiden. Das heißt, Dankbarkeit gehört in die menschliche Zusammenarbeit, aber nicht in diese Mensch -zu -Maschinen -Interaktion. Und der letzte Punkt ist für mich, ein Bewusstsein zu schaffen. Das heißt, Mitarbeiter müssen verstehen, was kann KI, also was ist KI und was nicht. Und das hilft dabei auch, Missverständnisse und unrealistische Erwartungen zu verhindern und vorzubeugen.
Anke: Und wenn ich vielleicht noch einen Viertens ergänzen. dann wäre das, dass man eben auch gerade, wenn man viel KI nutzt im Unternehmen, diese Interaktion. zwischen den Menschen nicht vernachlässigen sollte. Dass man also gerade dann auch besonders darauf achtet, dass die Kommunikation gut ist, dass man eine gute Kultur im Unternehmen hat und gut miteinander umgeht und Vertrauen schöpft und Sicherheit in den Beziehungen. Zum Abschluss. Andreas, was würdest du unseren Zuhörern heute raten im Zusammenhang mit KI -Bewusstsein und diesen Interaktionen zwischen Maschinen, Menschen und so weiter?
Andreas: Ich würde raten, eine gewisse Prompteffizienz zu üben. Das heißt, KI -Anfragen möglichst präzise, möglichst klar, ohne unnötige Floskeln, ohne Füllwörter, möglichst on point zu formulieren. Und das auch in die Teams zu übertragen, also dass jeder, der im Team KI nutzt, sich im Klaren ist, wie gute Prompts geschrieben werden müssen. Ein anderer Punkt ist, und der gilt grundsätzlich im Umgang mit KI, den Return on Investment zu messen. Also zu definieren, was konkret soll KI im Unternehmen bringen und dann zu überprüfen, ob dieser tatsächliche Nutzen auch erfüllt wird. Und der letzte Punkt ist, startet Pilotprojekte, beginnt mit kleinen Projekten. Also testet zuerst kleine Use Cases und wenn die funktionieren, dann schrittweise skalieren. Zweifelsfall, Beratung von externen Leuten einholen die dieses Thema schon mehrfach implementiert Haben.
Anke: Cool. Und aus meiner Sicht, also der psychologischen, trainiert… Ganz bewusst einen guten Umgang in euren Teams, denn wenn jemand freundschaftlich mit der KI kommuniziert, aber nicht mitkriegt, dass der Vater des Kollegen am Nachbarschreibtisch verstorben ist, obwohl der deswegen zwei Tag nicht da war, der macht definitiv was falsch. Und macht euren Mitarbeitern wirklich klar, KIs Werkzeug benutzt das. Punkt. Mehr nicht. Dann fasse ich heute mal zusammen. KI ist ein starkes Werkzeug. Ein Danke braucht die KI. Definitiv nicht. Was wir als Menschen besser können als die KI, ist überhaupt menschlich zu sein, also Beziehungen zu knüpfen und zu stärken. Im Endeffekt ist das unser Wettbewerbsvorteil. Und die menschliche Seite des Unternehmens sollen Unternehmer auch ganz bewusst und aktiv stärken. Perfekt auf den Punkt gebracht. Dann sage ich dir jetzt ein echtes großes Dankeschön. Für diese Podcast -Folge. Ich freue mich auf die nächsten mit dir.
Andreas: Anke, auch an dich ein großes, großes Dankeschön. Das war unser KI -Update fürs Business. Danke fürs Zuhören da draußen. Genau, das sage ich ganz bewusst. Danke fürs Zuhören. Schön, dass ihr da seid. Macht was Gutes draus und bis zum nächsten Mal.


