Warum ausgerechnet Heizungsbauer, Elektriker und Schreiner von einer radikal neuen Denkweise profitieren
Die KI montiert keine Wärmepumpe, fliest kein Bad und zieht keine Leitung durch die Wand. Das ist klar. Trotzdem kann sie deinen Handwerksbetrieb grundlegend verändern, nur eben nicht auf der Baustelle.
Wer „AI-native“ hört, denkt zuerst an junge Softwarefirmen oder Konzern-Ausgründungen, kaum aber an einen Heizungsbauer. Aber: AI-native heißt nicht, dass ein Unternehmen KI verkauft oder von Anfang an mit ihr arbeitet. Es heißt, dass ein Unternehmen seine Abläufe so denkt, als stünde KI überall als zusätzliche Arbeitskraft zur Verfügung, und genau davon können Handwerksbetriebe erheblich profitieren.
Die physische Arbeit bleibt Handwerk. Das Drumherum nicht
Rund um die eigentliche handwerkliche Arbeit steckt in vielen Betrieben ganz viel Informationsarbeit: Kundenanfragen, Terminplanung, Angebotserstellung, Material, Dokumentation, Rechnungen, Nachkalkulation, Wissensweitergabe, oft noch getragen von Telefon, Papier, Excel und persönlichem Erfahrungswissen. Klassische Digitalisierung fragt dabei: „Wir haben einen Papier-Arbeitszettel, wie machen wir daraus eine App?“ Wir fragen radikaler: „Warum brauchen wir überhaupt noch einen Arbeitszettel?“ Wenn der Monteur ohnehin spricht, Fotos macht und Material bucht, kann die KI daraus die Dokumentation direkt erzeugen.
Ein Heizungsbauer als Beispiel
Heute ruft ein Kunde an, meldet komische Geräusche, jemand notiert Adresse und Telefonnummer, später kommt noch ein Foto per WhatsApp. Der Monteur fährt hin und stellt fest: Das passende Ersatzteil ist nicht im Fahrzeug, also ein zweiter Termin. Im KI-gesteuerten Betrieb nimmt ein Assistent die Anfrage strukturiert auf, fragt nach Hersteller, Modell, Fehlercode, das Alter der Anlage und bittet um ein Foto vom Display. Daraus entsteht automatisch ein Servicefall, das System erkennt den am besten qualifizierten Mitarbeiter, prüft Kalender und Fahrzeit und schätzt sogar ab, welches Ersatzteil wahrscheinlich gebraucht wird. Der Monteur bekommt dann nicht mehr nur „Heizung kaputt“, sondern etwa: Heizgerät Baujahr 2018, Fehlercode liegt vor, Foto vom Display liegt vor, Ersatzteil ist im Lager. Die KI repariert die Heizung nicht, aber sie sorgt dafür, dass der Handwerker besser vorankommt.
Weniger Büroarbeit am Abend
Viele Meister verbringen abends Zeit damit, Notizen vom Kundentermin in ein Angebot zu übertragen. Unsere Prozesse sehen anders aus: Der Meister spricht nach dem Termin kurz ins Smartphone, die KI verbindet Sprache, Fotos, Preisliste und Erfahrungswerte aus früheren Projekten zu einem Angebotsentwurf. Gedrückt wird trotzdem nicht einfach „Senden“: Der Meister prüft die Kalkulation, erkennt Besonderheiten und trägt die Verantwortung, muss aber nicht mehr jede Position von null an eintippen. So werden aus 45 Minuten Büroarbeit zehn Minuten Kontrolle. Das ist auch für einen kleinen Betrieb schnell spürbar.
Warum auch kleine Betriebe profitieren
Ein Konzern beschäftigt Spezialisten für Controlling, Marketing, Disposition, Einkauf, Personal und IT. Ein Handwerksbetrieb mit fünfzehn Mitarbeitern kann sich das nicht leisten. KI kann in vielen dieser Bereiche eine Art digitalen Assistenten liefern, nicht als vollständigen Ersatz für Spezialisten, aber für sehr viele tägliche Aufgaben: Anfragen vorqualifizieren, Termine koordinieren, Texte vorbereiten, Rechnungen prüfen, Daten auswerten und Wissen sortiert leicht auffindbar machen. KI skaliert damit Fähigkeiten, die sich ein kleiner Betrieb bislang schlicht nicht leisten konnte.
„Frag den Peter“: Wissen sichern statt verlieren
In vielen Betrieben gibt es den Satz „Frag den Peter, der weiß das.“ Peter ist seit 25 Jahren da und weiß, in welchem Baujahr ein alter Heizkessel welches Problem hat. Und wie man mit Herrn Schwierig umgehen muss. Dieses Wissen steckt aber nur in seinem Kopf. Wenn Peter in Rente geht oder krank wird, ist es weg. KI sichert es: Peter spricht nach einem Auftrag kurz ins Handy, die KI ordnet den Hinweis dem Gerätetyp und Fehlerbild zu, und beim nächsten ähnlichen Einsatz bekommt ein jüngerer Kollege diesen Hinweis automatisch. Aus persönlichem Erfahrungswissen wird Unternehmenswissen. Das ist gerade dann wertvoll, wenn Fachkräfte schwer zu finden sind oder der erfahrene Mittelbau fehlt.
Grenzen: Verantwortung, Sicherheit, Datenqualität
KI-gesteuert heißt nicht, dass alles automatisiert wird, was man automatisieren kann. Bei einer Standardanfrage kann ein Assistent hervorragend sein, bei einem verärgerten Kunden oder einer komplizierten Entscheidung sollte schnell ein Mensch übernehmen. Nimmt die KI Kundenanfragen am Telefon an, muss sie schnell erkennen, wann ein Mensch ans Telefon gehen muss. Auch sicherheitskritische Entscheidungen darf die KI nicht eigenmächtig treffen, und ein automatisch erstelltes Angebot ist nur so gut wie die zugrunde liegenden Daten, sind sie falsch, wird lediglich schneller falsch kalkuliert. KI braucht deshalb klare Zuständigkeiten und Prüfmechanismen. Am Ende übernehmen Mensch und Maschine jeweils das, worin sie stark sind: KI ist gut im Strukturieren, Suchen, Zusammenfassen und Erkennen von Mustern, der Mensch bringt Fachurteil, Verantwortung, handwerkliches Können und Kundenverständnis ein.
Unser Fazit für Entscheider
- Weniger Verwaltungsaufwand: Angebote, Dokumentation und Standardkommunikation lassen sich stark beschleunigen.
- Bessere Einsatzplanung: weniger Leerfahrten und unnötige zweite Termine.
- Wissen bleibt im Unternehmen und wird schneller an Kollegen weitergegeben.
- Kunden bekommen schneller Antworten und besser vorbereitete Services.
- Der Betrieb kann eigene Daten nutzen, um Preise, Auslastung und Profitabilität besser zu steuern.
Auf der Baustelle wird weiterhin gebohrt, geschraubt, montiert und repariert. Den KI-gesteuerten Handwerksbetrieb der Zukunft erkennt man nicht dort, sondern daran, dass rund um diese Arbeit fast nichts mehr so organisiert wird wie heute.
Übrigens: Wir haben uns beim Erstellen dieses Podcasts die Arbeit mit Claude geteilt. Die Inhalte und das Wissen stammen von uns, die Struktur hat Claude entwickelt. Das letztendliche Wording stammt von Anke von GATE5.
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More InformationTranscript
Anke (00:01)
KI fürs Business, das Wichtigste in 10 Minuten mit Andreas Schrade und
Andreas (00:08)
Anke Precht
Anke (00:09)
Andreas, wenn ich AI-Native höre, denke ich an junge Softwarefirmen, an Start-ups, vielleicht an Ausgründungen aus einem Konzern, aber sicher nicht an einen Heizungsbauer oder Elektriker oder Schreiner. AI-Native und Handwerk, das passt doch eigentlich gar nicht zusammen, oder?
Andreas (00:31)
Doch eigentlich sogar ziemlich gut. Ich finde der Denkfehler ist häufig, dass AI-Native mit einer bestimmten Branche verbunden wird. Also AI-Native heißt nicht ein Unternehmen verkauft, KI oder ein Unternehmen macht irgendwas mit IT und nutzt KI von Anfang an. AI-Native heißt ein Unternehmen denkt seine Abläufe so als stünde KI überall als zusätzliche Arbeitskraft zur Verfügung. Und genau davon können auch Handwerksbetriebe enorm profitieren.
Anke (01:13)
Aber die eigentliche Arbeit bleibt doch immer analog. Die KI montiert keine Wärmepumpe, die KI fließt das Bad nicht, die KI zieht auch keine Leitung durch die Wand.
Andreas (01:24)
Völlig richtig. Aber genau deshalb ist das Beispiel auch so spannend. Die physische Arbeit bleibt das Handwerk. Aber rund diese Arbeit gibt es unglaublich viel Informationsarbeit. Also wir reden von Kundenanfragen, reden von Terminplanung, Angebote, erstellt werden müssen, Materialbeschaffung, Dokumentation, Rechnungen.
Andreas (01:51)
Wissensweitergabe, gibt es so viele Punkte und da steckt heute in vielen Betrieben eben noch sehr viel Telefon, Papier, Excel und persönliches Erfahrungswissen drin.
Anke (02:06)
Dann wäre AI-Native im Handwerk einfach nur ein neues Wort für Digitalisierung.
Andreas (02:12)
Nicht ganz. Klassische Digitalisierung fragt oft, wir haben ein Papier, Arbeitszettel, wie machen wir daraus eine App? AI Native fragt radikaler, warum brauchen wir überhaupt noch einen Arbeitszettel? Wenn der Monteur ohnehin spricht, Fotos macht, Material bucht und der Termin im System steht, kann KI daraus vielleicht automatisch die Dokumentation erzeugen. Das ist ein ganz anderer Ausgangspunkt.
Anke (02:49)
Mal konkret. Wie würde so ein AI-Native-Handwerksbetrieb denn aussehen?
Andreas (02:56)
Okay, nehmen wir einen Heizungsbauer. Ja, heute ruft ein Kunde an und sagt, meine Heizung macht komische Geräusche. So, dann gibt es jemanden, der nimmt die Adresse, die Telefonnummer auf, fragt vielleicht nach dem Gerät, später kommt noch ein Foto per WhatsApp. Der Monteur fährt hin und stellt fest, ja, das passende Ersatzteil fehlt. Also gibt es einen zweiten Termin.
Anke (03:23)
Und wie läuft das im AI-Native-Betrieb?
Andreas (03:26)
Genau dort könnte ein Assistent die Anfrage direkt strukturiert aufnehmen. Er fragt nach Hersteller, Modell, Fehlercode, Alte der Anlage, bittet vielleicht auch noch ein Foto vom Display und daraus entsteht automatisch ein Servicefall. Also das System erkennt, welcher Mitarbeiter fachlich passt, prüft den Kalender, benötigt auch eventuelle Fahrzeit.
Andreas (03:55)
und schlägt einen Termin vor. Im besten Fall wird auch schon abgeschätzt, welche Ersatzteile vielleicht benötigt werden könnten und bereitet eben diesen Supportfall entsprechend vor.
Anke (04:07)
Der Monteur bekommt dann nicht mehr nur die Info: Heizung bei Müller in der Blumenstrasse 37 kaputt.
Andreas (04:14)
Genau, der Monteur bekommt ein vollständiges Briefing im Endeffekt. Also zum Beispiel Heizung, Fissmann, Modell X, Baujahr 2018, Fehlercode ist 37, es gibt ein Foto, die wahrscheinlichsten Ursachen sind ABC und ein Ersatzteil X ist auch im Lager. Die KI repariert die Heizung nicht, aber sie kann dafür sorgen, dass der Handwerker
Andreas (04:45)
besser vorbereitet ist und beim Kunden damit auch möglichst effizient seine Arbeit verrichten kann. Und ich denke, das ist ein enormer Unterschied.
Anke (04:55)
Ja, das macht Sinn. Wie kann daraus dann zusätzlich eine echte Veränderung im Geschäftsmodell oder in der Organisation werden?
Andreas (05:05)
Ja, zum Beispiel bei Angeboten. Also viele Meister verbringen abends Zeit damit Notizen vom Kundentermin in ein Angebot zu übertragen. Ein AI-nativer Prozess könnte dagegen so aussehen. Der Meister spricht nach dem Termin ein Smartphone, sagt, okay, wir haben hier einen Bad, 12 Quadratmeter, Boden, gleiche Dusche, neues WC, etc., etc.
Andreas (05:35)
Die KI verbindet die Sprache dann mit Fotos, Preislisten, Erfahrungswerte aus früheren Projekten und erstellt damit einen Angebotsentwurf.
Anke (05:49)
Der Meister drückt dann nur noch auf Senden.
Andreas (05:52)
Da wäre ich tatsächlich sehr vorsichtig. Der Meister prüft vielleicht noch die Kalkulation, erkennt Besonderheiten und trägt natürlich auch die Verantwortung. Aber er muss natürlich nicht mehr jede einzelne Position von Null an eintippen. Also wenn aus 45 Minuten Büroarbeitszeit am Ende 10 Minuten Kontrolle werden, ist das für einen kleinen Betrieb natürlich wahnsinnig hilfreich.
Anke (06:18)
Kleine Betriebe, bleiben wir dabei, haben ja meistens keine eigene IT-Abteilung. Ist AI Native dann nicht was, was eigentlich nur große Unternehmen umsetzen können?
Andreas (06:30)
Ich würde fast die Gegenposition vertreten. Hier gerade kleine Unternehmen könnten besonders profitieren. Ein Konzern beschäftigt Spezialisten für Controlling, Marketing, Disposition, Einkauf etc. Ein Handwerksbetrieb mit 15 Mitarbeitern kann das nicht leisten. KI kann ihm allerdings in vielen dieser Bereiche eine Art digitalen Assistenten geben. Nicht als einen vollwertigen Ersatz für Spezialisten, aber dennoch für viele dieser täglichen wiederkehrenden Aufgaben.
Anke (07:06)
Bekommen die Handwerksmeister plötzlich einen kleinen virtuellen Verwaltungsstab.
Andreas (07:12)
Ja, ich denke so kann man das auch tatsächlich formulieren. Der spannende Punkt ist KI-Skalierfähigkeit, die sich ein kleiner Betrieb bisher oft gar nicht leisten konnte. Ein digitaler Assistent kann Anfragen, Vokvalifizieren, Termine koordinieren, Texte vorbereiten, Rechnungen prüfen, allerlei Daten auswerten und natürlich auch Wissen auffüttbar machen.
Anke (07:41)
Was meinst du damit? Wissen auffindbar machen?
Andreas (07:44)
Ich finde das Thema Wissen oder Wissensmanagement ist ein relativ starkes, aber wichtiges Themengebiet. Also in vielen Betrieben gibt es den Satz, ja fragt Peter, der Peter weiß das. Wieso weiß es der Peter? Weil der Peter seit 25 Jahren dabei ist. Der kennt sich aus, der weiß in welchem Betriebsjahr ein alter Kessel vorhanden ist, der kennt die Probleme. Aber dieses Wissen steckt in seinem Kopf. Wenn Peter in Rente geht, ist sein Wissen weg.
Anke (08:19)
Die KI soll Peters Erfahrung übernehmen.
Andreas (08:23)
nicht einfach übernehmen, aber sie kann helfen das Wissen zu bewahren, zu sichern und auch für die anderen verfügbar zu machen. Also Peter spricht nach einem Auftrag kurz ins Handy bei der Baureihe XY nicht sofort die Steuerung tauschen, häufig ist nur der Sensor X verschmutzt. Und die KI, die strukturiert das, ordnet es dem Gerätetyp und dem Fehlerbild zu und beim nächsten vergleichbaren, ähnlichen Einsatz, bekommt dann vielleicht ein jüngerer oder unerfahrener Kollege diesen Hinweis automatisch. Und aus diesem sehr persönlichen Erfahrungswissen wird dann Unternehmenswissen.
Anke (09:05)
Das ist ja genau dann interessant, wenn Fachkräfte schwer zu finden sind. Das Problem haben viele Betriebe. Oder wenn ein Unternehmen ausbildet, aber der Mittelbau mit erfahrenen Gesellen fehlt.
Andreas (09:19)
Absolut. Also KI ersetzt den erfahrenen Meister nicht, aber sie kann helfen, dass sein Wissen mehr Mitarbeitern zur Verfügung steht und ja auch neue Kollegen damit schneller produktiv werden.
Anke (09:33)
Vielleicht schauen wir uns noch ein anderes Beispiel an. Nehmen wir mal die Baustellen-Dokumentation. Das ist wahrscheinlich nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung der meisten Handwerker.
Andreas (09:44)
Genau, heute liegen Fotos auf verschiedenen Handys, Notizen fehlen und am Ende muss jemand rekonstruieren, was wann eigentlich gemacht wurde. mit einem AI-Native-Ansatz könnte es dann heißen, der Mitarbeiter macht ohnehin Fotos, sagt dazu zwei Sätze, heute wurde Leitung im Obergeschoss verlegt,
Andreas (10:12)
Wegen Stahlträger vom Plan abgewichen, verlaufen Sie ein Foto. oder so ähnlich. und daraus erzeugt das System dann ein Tagebuch mit Fotodokumentation, Projektstatus und vielleicht auch sogar Informationen für die Rechnung.
Anke (10:27)
Die Dokumentation entsteht also als Nebenprodukt der Arbeit.
Andreas (10:33)
Genau, und das ist auch ein wichtiges Prinzip. Gute AI-Native-Prozesse verlangen nicht, dass Menschen ständig zusätzliche Daten für die KI erfassen. Die KI nutzt möglichst die Informationen, die im Arbeitsablauf sowieso entstehen.
Anke (10:50)
Und was passiert auf der Kundenseite?
Andreas (10:53)
Ja, auch da gibt es viel Potential. Stell dir vor, jemand sucht am Sonntagabend einen Elektriker. Und statt eines Kontaktformulars mit, ja, wir melden uns, dich ein Assistent direkt durch die wichtigsten Fragen. Also wenn wir jetzt zum Beispiel eine Wallbox haben, dann könnte, oder ein Problem damit, dann könnte der Assistent den Kunden direkt fragen, welches Fahrzeug, welche Wallbox.
Andreas (11:23)
Einfamilienhaus, Entfernung zum Verteiler, also sprich all die wichtigen Fragen stellen und am Montagmorgen nach dem Wochenende hat der Betrieb dann nicht 25 völlig unsortierte Anfragen im Postfach, sondern bereits vorqualifizierte Fälle.
Anke (11:42)
kann mir vorstellen, für mich als Kundin bedeutet das, dass ich am Montagmorgen schneller eine Info bekomme vom Betrieb, weil der ja nicht erstmal einen ganzen Tag sortieren muss. Auf der anderen Seite denke ich jetzt gerade, könnte das ja auch dazu führen, dass ich gar keinen Menschen mehr erreichen kann in meinem Handwerksbetrieb und am Ende nur noch mit Bots rede.
Andreas (12:04)
Ja, das ist die schlechte Variante. Also AI-Native darf nicht heißen, alles automatisieren, was irgendwie geht. Die bessere Frage lautet, wo verbessert KI den Prozess? Für Kunden und Mitarbeiter. Bei einer Standard-Anfrage kann ein Assistent hervorragend sein. Bei einem, ja sagen wir verärgerten,
Andreas (12:33)
unglücklichen Kunden oder einer komplizierten Entscheidung sollte dagegen sehr schnell auch ein Mensch den Fall übernehmen.
Anke (12:42)
Da liegen also Grenzen in der KI. Wo gibt es noch welche?
Andreas (12:46)
Auf jeden Fall bei der Verantwortung, bei der Sicherheit und auch Datenqualität. Ein Elektriker kann KI fragen, welche Unterlagen zu einer bestimmten Komponente relevant sind, aber die KI sollte nicht eigenmächtig sicherheitskritische Entscheidungen treffen. Ein Angebot kann natürlich automatisch vorbereitet werden.
Aber wenn die zugrundeliegenden Daten, mit denen die KI geprift wurde, falsch sind, wird nur schneller falsch kalkuliert. Also AI-Native braucht deshalb klare Zuständigkeiten und auch Prüfmechanismen.
Anke (13:30)
Das entspricht dem, was viele Leute ja auch kritisch über KI sagen, nämlich dass sie keine Erfahrung ersetzt am Ende. Für mich klingt das, was du sagst, eben nicht nach KI macht künftig alles, sondern es entsteht eine neue Art von Arbeitsteilung.
Andreas (13:49)
Genau, Mensch und Maschine übernehmen jeweils das, worin sie stark sind. Also KI ist gut, strukturieren, suchen, zusammenfassen, erkennen von Mustern und auch damit gut in der Lage, etwaige Entwürfe zu erzeugen. Der Mensch bringt die Fachexpertise, das Fachrückteil, die Verantwortung und das handwerkliche Können und damit auch das Thema Kundenverständnis und die langjährige persönliche Erfahrung.
Anke (14:21)
Ich denke gerade, Andreas, wenn KI im Hintergrund so viel abnehmen kann, könnte sie nicht vielleicht auch dabei helfen, den Betrieb selbst, also auch das Ergebnis und die Strategie besser zu steuern?
Andreas (14:36)
Ja, also nehmen wir einen Malerbetrieb mit vielen hunderten abgeschlossenen Projekten. In den Daten steckt vielleicht längst die Erkenntnis, dass gewisse oder ja bestimmte Altbausanierungen regelmäßig zu knapp kalkuliert werden oder dass bestimmte Auftragsarten besonders profitabel sind. Heute werden solche Zusammenhänge oft gar nicht systematisch ausgewertet. Aber gerade KI kann aus Aufträgen, Zeiten, Material, Nachträgen und Rechnungen Muster sichtbar machen.
Anke (15:15)
Und dann würde aus einem sehr traditionellen Betrieb in einer traditionellen Branche gleichzeitig im Hintergrund ein sehr datengetriebenes Unternehmen.
Andreas (15:26)
Genau und das ist für mich der eigentliche Perspektivwechsel. AI Native erkennt man nicht daran, ob irgendwo ein Roboter steht oder ob jeder Mitarbeiter chat GPT offen hat. Man erkennt es daran, wie das Unternehmen Entscheidungen trifft und wie Prozesse organisiert sind.
Anke (15:45)
Fassen wir nochmal das Wichtigste zusammen. Was wäre für einen Handwerksbetrieb der wichtigste Vorteil oder was wären die wichtigsten Vorteile, wenn er wirklich AI-Native denkt?
Andreas (15:58)
Ja, also, erstens weniger Verwaltungsaufwand. Angebote, Dokumentation und Standardkommunikation lassen sich erheblich beschleunigen. Zweitens eine bessere Einsatzplanung, damit weniger Leerfahrten oder auch unnötige zweite Termine. Drittens, das Wissen bleibt im Unternehmen kann schneller an Kollegen weitergegeben werden. der gesamte Bereich rund die Wissensorganisation im Unternehmen. Viertens, Kunden bekommen schneller Antworten und auch einen besser vorbereiteten Service. Und als letzten Punkt, der Betrieb kann seine eigenen Daten nutzen. Sei es Preise, Auslastung, ja auch.
Profitabilität besser zu steuern.
Anke (17:01)
Okay, weniger Bürokratie, besser vorbereitete Einsätze, mehr nutzbares Wissen, besserer Kundenservice, eine professionellere Unternehmensteuerung und die eigentliche handwerkliche Arbeit bleibt Handwerk.
Andreas (17:16)
Genau, vielleicht erkennt man den AI-nativen Handwerksbetrieb der Zukunft auf der Baustelle gar nicht sofort. Dort wird weiterhin gebohrt, geschraubt, montiert und repariert. Man erkennt ihn daran, dass rund diese Arbeit fast nichts mehr so organisiert wird wie heute.
Anke (17:37)
Heißt das dann, dass die Chefin, die bisher mit ihrem Team das Büro gemanagt hat, künftig zu Hause auf der Terrasse chillt und die Hälfte der Mitarbeiter im Büro nicht mehr gebraucht wird?
Andreas (17:49)
Nein, das heißt es natürlich nicht, aber was aber sicher ist, das Büro hat weniger Stress. Es gibt weniger Beschwerden, die Handwerker kommen mit einer besseren Laune abends zurück zum Betrieb und wenn Kunden wirklich Beratung brauchen, dann ist auch endlich Zeit dafür. Also der Handwerker kommt vielleicht einen Tag früher, weil er weniger Papiergramm erledigen muss und die Kunden werden
Andreas (18:15)
unter dem Strich zufriedener sein. Der Betrieb kann mit der vorhandenen Mitarbeiterzahl mehr Aufträge erledigen.
Anke (18:24)
Und damit ist vielleicht auch schon das Vorurteil erledigt, AI-Native sei nur was für Software-Startups. Wie kann ich denn jetzt als Handwerker, der ja in der Regel kein IT-Experte ist, so ein AI-Native-Projekt auf die Beine stellen? Und wie lange dauert es, bis es umgesetzt ist?
Andreas (18:46)
Genau, also der Handwerksbetrieb engagiert zuverlässige KI-Profis, also Leute wie uns. Und bis der ganze Betrieb umgestellt ist, dauert es meistens ein paar, je nach Komplexität, reden wir von Wochen bis ein paar wenige Monate. Das liegt daran, dass man erst einmal mit einem speziellen Anwendungsfall startet, da wo der Schuh besonders drückt.
Andreas (19:15)
Es wird getestet bis es läuft und dann kommt der nächste Schritt bis auch wirklich alles perfekt ineinander greift. Die Mitarbeiter merken dann auch ziemlich schnell, dass die Arbeit einfacher wird und sind damit auch entsprechend schnell im Boot.
Anke (19:31)
Danke dir, Andreas. Wär ich jetzt Handwerkerin, würde ich gleich starten.
Anke (19:35)
An alle da draußen, das war KI für’s Business. Danke, dass ihr heute dabei wart. Liked den Beitrag und teilt ihn mit eurem liebsten Handwerker, wenn er euch gefallen hat. Wir hören uns wieder im nächsten Beitrag.


