KI 2026: So orientieren Sie sich als Entscheider richtig (Teil 2)

Agents, Open Source, Wirtschaftlichkeit und Robotik 

Nicht Gießkanne, sondern gezielte Strategie. Das wird das entscheidende Prinzip für den Einsatz von KI in Unternehmen in diesem Jahr.

Über Themen wie AGI, Multimodalität und allgemeine KI-Trends haben wir schon gesprochen. Was können Unternehmen im Hinblick auf agentische Systeme, Open-Source-Modelle und Robotik erwarten? Und gibt es eine KI-Blase?

 

Agents: Mehr Delegation, noch keine Autonomie

In 2026 werden Agent-Manager noch wichtiger: KI-gestützte Systeme, an die klar umrissene Aufgaben delegiert werden: zum Beispiel das Erstellen einer Präsentation auf Basis von Stichpunkten. Die Systeme arbeiten aber noch nicht autonom, sondern folgen klaren Aufgabenstellungen und Leitplanken, vergleichbar einem sehr leistungsfähigen Praktikanten. Die KI erledigt Aufgaben selbstständig, und sie bleibt unter menschlicher Kontrolle. 

War bisher Innovation wichtig, werden es dieses Jahr Zuverlässigkeit, Nachvollziehbarkeit, Governance und Integration in bestehende Systeme sein. Der KI-Agent als leistungsfähiger immer einsatzbereiter Co-Pilot.

 

Open Source: Effizienz, Kontrolle, strategische Relevanz

Ein weiterer zentraler Trend betrifft Open-Source-Modelle. Sie werden dieses Jahr weiter an Bedeutung gewinnen. leistungsfähige Modelle werden kompakter und effizienter und lassen sich damit kostengünstiger auf eigener Infrastruktur betreiben. Zum anderen wächst bei vielen Unternehmen verständlicherweise der Wunsch nach Datenhoheit und geringerer Abhängigkeit von großen, meist US-amerikanischen Anbietern.

Gerade für den Mittelstand und für regulierte Branchen ergeben sich durch Open Source neue Optionen. Datenschutz, geistiges Eigentum und Compliance lassen sich mit Open-Source-Ansätzen oft klarer adressieren als mit rein externen Cloud-Services. Damit ist Open Source weniger eine ideologische, sondern eine strategischen Entscheidung.

 

Platzt die KI-Blase?

Die Diskussion um eine mögliche KI-Blase ist widersprüchlich. Investitionen und Erwartungen sind hoch. Unklar ist, wie rentabel KI-Anwendungen aktuell tatsächlich sind. 

Prominente Stimmen widersprechen sich: Sam Altman, Gründer von OpenAI, sieht Anzeichen einer Überhitzung, während Goldman Sachs derzeit keine Blase erkennt. Für Unternehmen ergibt sich daraus weniger eine Prognose als eine Handlungsmaxime: Entscheidend ist Realitätsbezug. Nicht jede technisch mögliche KI-Anwendung ist wirtschaftlich sinnvoll. Kontrollaufwände, Nacharbeit und neue Risiken müssen in die Bewertung einfließen.

Messbarkeit gewinnt damit an Bedeutung. Zeitersparnis, Qualitätsveränderungen, Fehlerkosten und neue Risikofaktoren sollten transparent erfasst werden. Der KI-Einsatz wird 2026 stärker betriebswirtschaftlich hinterfragt werden als in den experimentellen Phasen zuvor.

 

Robotik: Eindrucksvolle Demos, aber noch keine Alltagstauglichkeit

Produktdemos von Unternehmen wie Tesla oder verschiedenen Start-ups beeindrucken hinsichtlich Robotik. Ein massentauglicher Einsatz zum Beispiel im Haushalt ist für 2026 unrealistisch. Videos zeigen nur einen Bruchteil dessen, was ein KI-unterstützter Roboter tut. Die Fails tauchen darin nicht auf, sind aber noch zahlreich. 

Woran das liegt? Gerade häuslichen Umfelder varrieren enorm: Unterschiedliche Küchen, Bedienlogiken, Sicherheitsanforderungen und Zuverlässigkeitsfragen stellen hohe Hürden dar. Zahlreiche Baustellen sind in der Entwicklung noch offen. Ein breiter Markteintritt ist frühestens in 5-10 Jahren zu erwarten.

 

Unser Fazit für Entscheider

Es lassen sich mehrere übergreifende Punkte ableiten. 2026 wird weniger von AGI-Visionen geprägt sein, sondern stärker von konkreter Umsetzung und Adoption bestehender Technologien. KI entfaltet ihren Nutzen vor allem dann, wenn sie tief in Daten, Prozesse und Systeme integriert wird – nicht durch isolierte Tools.

KI im Unternehmen verlangt nicht nur technisches Know-how, sondern auch ein Verständnis für Organisation, Rollen und Vertrauen. Ohne diesen ganzheitlichen Blick besteht die Gefahr, dass Pilotprojekte isoliert bleiben und ihr Potenzial nicht entfalten. Gleichzeitig bleibt KI auch in 2026 ein Gamechanger für die Unternehmen, die sie klug und strategisch einsetzen.

 

Transcript

Anke: KI fürs Business. Das Wesentliche in 10 Minuten mit Andreas Schrade und Anke Precht. Letzte Woche haben wir uns schon mal damit beschäftigt, was Unternehmen in 2026 in Sachen KI erwarten können. Wir haben über AGI, also künstliche allgemeine Intelligenz, gesprochen, über die Entwicklungen in Sachen Multimodalität. Außerdem haben wir einen Überblick gegeben über zu erwartende allgemeine Trends bei KI -Modellen und bei Software. Außerdem haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie KI künftig in Unternehmen angewandt werden wird. Heute sprechen wir darüber, was in Sachen Agent -Manager, Open Source und Robotik zu erwarten ist und stellen uns die Frage, ob die KI -Bubble demnächst platzen könnte. Starten wir? 

 

Andreas: Gerne. 

 

Anke: Wie sieht es mit Agents aus? Was können wir dazu in 2026 erwarten? Was ist realistisch?

 

Andreas: Genau, 2026 wird das Jahr der Agent -Manager. Das heißt, Menschen werden mehr und mehr Arbeit an die KI delegieren, aber dabei eben die Kontrolle behalten. Wenn wir ein Beispiel nehmen, zum Beispiel den Prompt, “nimm diese Stichpunkte und mache daraus eine Präsentation”.

 

Das ist agentisch, aber eben nicht autonom im Sinne von, “mach mein Unternehmen”.

 

Anke: Also wie ein sehr fleißiger, fitter Praktikant. Du gibst klare Aufgaben, prüfst und der macht die Arbeit? 

 

Andreas: Genau. Aber einer, der von Anfang an den Durchblick hat, dem du nicht mehr viel beibringen musst. Vollautonome Agents gibt es als Demos und in speziellen Nischen, aber in der Breite zählen vor allem Zuverlässigkeit, Auditierbarkeit, Governance, Sichtbarkeit. Wir hatten es im ersten Teil angesprochen, wieder hin zu dem Thema Integration der KI in Systeme.

 

Anke: Stimmt, darüber haben wir im letzten Teil ausführlich geredet und da hast du schon erklärt, warum das absolut Sinn macht. Wenn wir von KI reden, anderes Thema, haben wir ja immer die Wahl zwischen kostenpflichtigem Service und einer kostenlosen Open -Source -Lösung. Wie wird es da weitergehen? Hast du eine Prognose zu Open Source?

 

Andreas: Ich gehe davon aus, dass Open Source wichtiger werden wird. Einerseits, weil Open Source Models effizienter werden. Also leistungsfähige Models werden perspektivisch kompakter und können damit eben auch kostengünstiger auf der eigenen IT -Infrastruktur betrieben werden. Und eben auch andererseits, weil Unternehmen zunehmend Datennoheit zurückholen wollen. Wir sehen das auch relativ stark gerade in den ganzen Debatten rund um die Abhängigkeit zu US -Konzernen. Und ich denke, dass sich dieser Trend eben auch auf das Thema Open Source und KI in diesem Jahr niederschlagen wird. Und das ist für den Mittelstand und auch für regulierte Branchen super interessant. Datenschutz, IP, Compliance.

 

Andreas: Genau, es wird sich einiges tun. 

 

Anke: Ganz anderes Thema. Zuletzt hieß es vermehrt, dass in 2026 die KI -Bubble platzen wird. Wird die KI -Bubble platzen? Wenn wir uns das mal Stück für Stück ansehen, was hat es eigentlich mit einer Bubble oder Blase auf sich? 

 

Andreas: Ich würde eine Blase auch gerade im Tech -Umfeld so definieren, dass es eine recht starke Diskrepanz gibt zwischen der eigentlichen Vision dieser potenziellen Wertschöpfung, dieser Technologie und der tatsächlichen Realität der Wertschöpfung. Also jeder kann sich perspektivisch vorstellen, wie nützlich KI sein wird, aber nur wenige haben ein tatsächliches Verständnis darüber, wie sich mit KI Geld verdienen lässt, wie rentabel KI momentan überhaupt ist. auf der einen Seite sehr risikobereit ist, also aus Investoren -Anlegersicht und eine sehr hohe Erwartungshaltung hat, dann kann eben so ein Hype entstehen, der viel Aufsehen erregt, der aber betriebswirtschaftlich womöglich am Ende gar nicht der Situation gerecht wird. Und da gibt es auch hier wieder bekannte Größen, die sich dazu kürzlich auch geäußert haben. Sam Oldman ist Gründer von OpenAI und aus seiner Sicht bewegt sich eben der Markt mehr und mehr in Richtung Blase. Dann gibt es aber auch andere Stellgrößen wie Goldman Sachs, die sagen, dass es momentan eben keine Bubble gibt zum Thema KI, alles ist grün, hier gibt es nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste. 

 

Anke: Ganz schön widersprüchlich. Was sollten und können Unternehmen daraus jetzt lernen? 

 

Andreas: Am Ende ist es genau das Thema Realitätsbezug. Also man muss wissen, was kann die aktuelle Technologie tatsächlich leisten. Nicht nur technologisch, sondern eben auch aus dieser betriebswirtschaftlichen Sicht. Nicht alles, was KI kann, ist auch gut. Nicht alles, was man mit KI abbilden kann, ist am Ende auch wirtschaftlich rentabel. Teile, die man vielleicht teilautomatisieren könnte, benötigen dann zum Beispiel auch Kontrollschritte und Nacharbeit. Und all diese Aspekte, die muss man berücksichtigen. Da darf man nicht so blind in das Thema hineingehen. Und gerade auch das Thema Messbarkeit, also zu prüfen, ist mein Einsatz von KI auch wirklich… Aber wirtschaftlich ist ein Thema, was auch gerade für 2026 zunehmend heißer werden wird. 

 

Anke: Also du meinst, den Einsatz von KI muss man gut überwachen, man muss immer wieder sicherstellen, dass der Einsatz der KI, die man benutzt, auch wirklich sinnstiftend ist oder dass die KI, in die man investieren möchte, auch betriebswirtschaftlich rentabel sein kann. 

 

Andreas: Ganz genau, genau. Es braucht im Endeffekt ein klares, nüchternes Bild. Also Dinge müssen eingesehen werden können wie, okay, wo sparen wir uns wirklich Zeit? Welchen Einfluss hat der Einsatz von KI auf die Qualität? Wo entstehen vielleicht Fehlerkosten? Oder auch, wo entstehen komplett neue Risiken, die es bislang ohne KI nicht gegeben hat? 

 

Anke: Klarer Fall wieder für Menschen, die draufschauen. Ein Thema habe ich noch, Andreas. Reality -Check zum Thema Robotik. Heimroboter wie Optimus von Tesla oder Figa, kommen die in 2026 endlich?

 

Andreas: Ja, vielleicht bin ich da ein Ticken zu pessimistisch, aber ich gehe davon aus, also man muss sich eins vor Augen führen, dass diese Unternehmen wirklich viele herausragend gestaltete Produktdemos machen. Die können unglaublich überzeugend wirken. Aber aus meiner Sicht ist das noch definitiv viel zu früh für ein massentaugliches Produkt. Diese ganzen Startups sind gut darin, Produkte in Videos zu präsentieren, die einem das Gefühl geben, okay, diese Technologie ist schon marktreif. Die Szenarien, die aber nicht funktionieren, also sprich in den Punkten, wo das Produkt gnadenlos versagt, werden diese Startups aber auch nicht in ihren Videos zeigen. Das heißt, man sieht immer nur das, was funktioniert, Die 90 Prozent, die nicht funktionieren, sieht man gar nicht. Und wenn man sich jetzt so einen Roboter im Haushalt vorstellt, dann muss man sich dabei auch vorstellen, dass einfach die Umgebung denkbar unterschiedlich ist. Also eine Küche sieht bei jedem anders aus. Wie funktioniert der Wasserhahn? Von links, rechts, hoch, runter. Wo ist der Mülleimer? Wie funktioniert der Mülleimer? Muss der mit dem Fuß betätigt werden? Hat der Mülleimer überhaupt noch genügend Kapazität für das, was der Roboter entsorgen soll? Es gibt viele, viele Fragen. Dann kommen auch noch Sicherheitsaspekte dazu und überhaupt die grundlegende Zuverlässigkeit. Deswegen sehe ich da momentan noch viele offene Baustellen. Deshalb wahrscheinlich kein haushaltstauglicher Roboter in 2026.

 

Anke: Oh Mist. Das heißt, man sollte der Haushaltshilfe aktuell noch nicht kündigen, in der Hoffnung, dass ein humanoider Roboter bald die Baumwollhemden von den Seitenhemden unterscheiden kann oder die Spülmaschine ausrollen. Okay, lass uns zusammenfassen. Alles, was wir diese Folge und auch in der letzten besprochen haben, nochmal für die Entscheider runterbrechen. Was sind die wichtigsten Takeaways für 2026?

 

Andreas: Genau, die wichtigsten Punkte wären aus meiner Sicht erstens weniger AGI -Fantasy, dafür mehr Umsetzung. 2026 zählt die Adoption, also nicht das Warten. auf diese große AGI -Prophezeiung, sondern mit dem arbeiten, was momentan einfach funktioniert. Ein anderer Punkt ist, KI wirklich tiefgreifend zu integrieren. Also es ist eben nicht damit getan, jedem Mitarbeiter Zugang zu Chat -GPT und Co. zu geben, sondern es geht darum, KI wirklich auch mit den Daten, mit den Tools, mit den Schnittstellen zu verbinden. Der andere Punkt, den wir anfangs erwähnt haben, das Thema Agenten oder Agents, die werden verstärkt kommen, aber insbesondere als Co -Piloten, die menschliche Kontrolle erfordern. Also es werden mehr und mehr Menschen zu Agent -Manager, die quasi diese KI managen, aber es wird weniger auf eine volle Autonomie hinauslaufen. Wichtiger Punkt ist auch natürlich das Thema den Return, die Wirtschaftlichkeit und die Governance. zu überwachen, also Dashboards, Metriken zu haben, Risikomanagement zu betreiben, um auch wirklich diesen Enterprise -Anspruch der KI zu erreichen. Vieles waren bislang Demos, Experimente, aber nun geht es auch wirklich darum, das Thema KI ganz nüchtern zu betrachten. Mein letzter Punkt ist das Thema Open Source. Das wird aus meiner Sicht strategisch zunehmend relevant. Mehr Leistungsfähigkeit, Datenhoheit, geringere Kosten, Flexibilität. Das ist ein spannendes Thema, gerade auch für den Mittelstand und für regulierte Branchen.

 

Anke: Klingt ziemlich gut, auch wenn ich die Sache mit dem Haushalt erst noch verdauen muss. Wenn wir aus psychologischer Sicht nochmal drauf schauen. Wenn du KI einführen willst, plan nicht nur mit Technik, sondern auch Verhalten, Vertrauen, Rollen, Skills, Ängste, Statusfragen, weil sonst könnte es ein Pilotfriedhof werden. Vielen Dank, Andreas, für die tolle Übersicht. Das war unser heutiges KI -Update fürs Business. Vielen Dank fürs Zuhören da draußen und bis zum nächsten Mal.

 

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